Menschlichkeit trifft auf Malerei

Donnerstag, 15. Februar 2018
  • Bahnhof Damaskus retrospektivisch festgehalten von Zoheir Eddin
    Bahnhof Damaskus in der Retrospektive von Zoheir Eddin
  • Deutschkurse sind Teil des HAp
    Zoheir und seine Söhne im Deutschkurs in der Basis Zinnergasse © Nadja Meister / Diakonie Flüchtlingsdienst
Zoheir Jalal Eddin ist 63 Jahre und dreifacher Familienvater. Seit einem Jahr lebt er mit seiner Familie in Österreich. Mit einem besonderen Geschenk bedankt er sich bei unseren Kolleginnen und Kollegen vom Integrationsbüro Basis Zinnergasse für ihre Unterstützung. Hier erzählt euch Angelika Welebil, Leiterin Basis Zinnergasse, wie Integration und Malerei zusammenpassen und stellt euch den Künstler und Bewohner hinter den Werken vor

Das Leben von Zoheir

Eine Geschichte über Malerei, Profession und die Entscheidung, alles hinter sich zu lassen, um zu überleben

 

Basis Zinnergasse von Zoheir Eddin
Zoheir Eddin zeichnet die Basis Zinnergasse

Die Malerei begleitet den heute 63-Jährigen schon seit der Schulzeit. Aus der kindlichen Begeisterung für das Zeichenfach wurde Profession. In Damaskus, Syrien, betrieb er eine Siebdruck-Druckerei, in der er sein künstlerisches Werken einfließen lassen konnte. Wenn Zoheir nicht in der Druckerei stand, widmete er sich der Malerei und Fotografie.

2013 befand sich Syrien im zweiten vollen Bürgerkriegsjahr. Das Grauen erreichte seinen ersten traurigen Höhepunkt. Jene, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht geflohen sind und im immer brutaler werdenden Krieg versuchten, ihren Alltag aufrechtzuerhalten, waren in Gefahr, als Unbeteiligte in plötzlichen Kampfhandlungen zu geraten, durch Belagerungen von Bewaffneten zu (ver)hungern oder vom Regime zu Tode gefoltert zu werden. Zoheirs Söhnen drohte der Einzug ins Militär. Als in der Nähe ihrer Wohnung ein Attentat verübt wurde, bei dem hunderte Menschen verletzt wurden, entschied sich die Familie schweren Herzens, das Land und ihr Zuhause zu verlassen.

Zoheir floh mit seiner Familie nach Jordanien. Dort verbrachten sie drei Jahre und acht Monate in einem Flüchtlingscamp. Dann wurde die Familie für das Humanitäre Aufnahmeprogramm (kurz HAP III) ausgewählt. Das Programm sah vor, dass sie in Österreich Asyl erhalten. Das war vor etwa einem Jahr. Familie Eddin konnte ihm Rahmen des HAP eine Integrationsstartwohnung in Wien beziehen, viel wichtiger jedoch für die Familie ist: Nach langer Zeit der Unsicherheit können sie an eine neue Zukunft in Sicherheit denken.

In Sicherheit ankommen - Zoheir über Wien und Damaskus

Zoheir mit seinen beiden Söhnen in der Basis Zinnergasse
Zoheir mit seinen beiden Söhnen in der Basis Zinnergasse

Ich frage Zoheir, ob er Österreich bereits kannte, bevor er hier ankam. Er antwortete mir, er lese sehr viel und hat so viele Teile der Welt kennen gelernt, ohne jemals dort gewesen zu sein, das gleiche gelte für Österreich. Auf die Frage, wie es für ihn ist, in Österreich zu sein, sagt er: „Momentan bin ich gerne in Wien, es gibt viel Positives, Wien ist eine Stadt mit Gerechtigkeit und jeder Mensch bekommt sein Recht hier. Ich liebe Syrien, aber ich habe es verloren. Momentan vermisse ich Syrien nicht, denn mein Land ist zu Asche verbrannt!“

Zoheir erzählt mir, dass es lange gedauert habe, bis er wieder zu Stiften, Farben und Pinseln greifen konnte. Jetzt malt er wieder, denn in Wien fühlt er sich endlich wieder sicher. Die Malerei hilft ihm, bringt ihn durch den Tag. Die Inspiration zu seinen Motiven findet er bei Spaziergängen.

Gerade in Zeiten, in denen eine Politik der geschlossenen Grenzen vorherrscht, sind Humanitäre Aufnahmeprogramme besonders wichtig. Je dichter die Grenzen sind, umso mehr legale Wege, in Österreich und Europa Schutz zu suchen, muss es geben!
Alexandra Gröller, Geschäftsführerin Diakonie Flüchtlingsdienst

Integrationsstartwohnungen

Integrationsstartwohnungen werden für einen befristeten Zeitraum an Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte vermietet. Die MieterInnen werden in dieser Zeit von uns begleitet und durch Integrationsangebote (Deutschkurse, Arbeitssuche, Schulen, Aufbau von sozialen Kontakten, usw.)  beim Aufbau eines unabhängigen Lebens unterstützt.

Humanitäres Aufnahmeprogramm

Besonders schutzbedürftige Frauen, Männer und Kinder können durch das humanitäre Aufnahmeprogramm des UNHCR auf legalem, sicherem und geordnetem Weg nach Österreich kommen. Im Rahmen des HAP übernehmen wir die Aufgabe, Flüchtlinge zu begleiten und zu beraten. Weitere Informationen hier.

Im Gespräch: Angelika Welebil und Zoheir Jalal Eddin