Fakten statt Vorurteile

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Gemeinsam gegen die Hetze in der Asyldebatte

Derzeit sind weltweit fast 60 Millionen Menschen auf der Flucht, das sind so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die meisten von ihnen sind innerhalb ihres eigenen Landes vertrieben, nur ein Bruchteil der Flüchtlinge schafft es nach Europa. Sie fliehen vor Krieg, Verfolgung, Folter und Terror, unzählige von ihnen riskieren auf den Fluchtwegen ihr Leben. Legale Einreisewege nach Europa gibt es nicht. Schutzsuchende, die es trotz aller Hindernisse und Schikanen bis nach Österreich schaffen, treffen hier oft auf Ablehnung und Diskriminierung. Wir haben es uns zum Ziel gesetzt Fakten zu schaffen, um Vorurteile abzubauen. Gemeinsam können wir uns gegen die Hetze in der Asyldebatte stellen. Asyl ist ein Menschenrecht!

   Quellen: u.a. UNHCR, proAsyl, Eurostat, Bundesministerium für Inneres
Wir können nicht die ganze Welt aufnehmen!

Die meisten der knapp 60 Millionen Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, leben in ihrem eigenen Land als Binnenvertriebene oder in angrenzenden Nachbarstaaten. Mehr als die Hälfte aller Schutzsuchenden sind Kinder und Jugendliche. Vier von fünf Flüchtlingen leben in Entwicklungsländern. Letztendlich kommt nur 1 Prozent der Geflüchteten nach Europa.

In Österreich werden bis Ende 2015 bis zu 70.000 Asylanträge erwartet, das macht weniger als 1 Prozent der Bevölkerung aus. Im vergangen Jahr haben rund 28.000 Menschen in Österreich um Asyl angesucht, die Anerkennungsquote lag bei 35 Prozent. Die Zahlen belegen einen Anstieg der Asylanträge in Österreich für 2015 und trotzdem, der derzeit registrierte Anstieg an Flüchtlingen ist für Österreich nichts Neues und bewältigbar. Im Vergleich: Nach dem Zerfall Jugoslawiens wurden 90.000 Menschen in Österreich aufgenommen.

Derzeit sind zirka 45.000 Asylsuchende in Österreich, dem viertreichste Land der EU, in Quartieren und Zelten (!) untergebracht.

Die größten Flüchtlingsaufnahmeländer:
  • Türkei (1,59 Millionen)
  • Pakistan (1,51 Millionen)
  • Libanon (1,15 Millionen)
  • Iran (982.400)
  • Äthiopien (659.500)
Das sind alles Wirtschaftsflüchtlinge!

Mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge weltweit stammt aus Kriegsgebieten wie Syrien, Afghanistan, Somalia und dem Irak. Sie fliehen nachweislich vor Krieg, Verfolgung, Folter und Terror.

Die Genfer Flüchtlingskonventionen (GFK) legen fest, wer als asylberechtigter Flüchtling anerkannt wird und welche Rechte und Pflichten damit verbunden sind. Wenn eine Person aufgrund ihrer Herkunft, Religion, Zugehörigkeit zu einer sozialer Gruppe oder politischen Überzeugung nachweislich verfolgt wird oder ihr Verfolgung droht, erhält sie Asyl in Österreich.

Subsidiären Schutz erhalten jenen Geflüchteten, die grundsätzlich die Voraussetzungen der GFK nicht erfüllen, deren Leben oder Sicherheit aber durch Krieg, Unruhen oder Folter in ihrem Heimatland gefährdet ist. Subsidiär Schutzberechtigte dürfen befristet in Österreich bleiben. 

Flüchtlingen geht´s oft besser als uns!

Asylsuchende erhalten während ihres Asylverfahrens die sogenannte Grundversorgung, sie haben weder Anspruch auf Mindestsicherung, noch auf Familienbeihilfe oder Kinderbetreuungsgeld. Die Grundversorgung wird nur dann gewährt, wenn die Asylsuchenden mittellos sind. Da AsylwerberInnen nur eingeschränkt arbeiten dürfen, ist für viele die Grundversorgung lebensnotwendig. Asylsuchende haben nur dann Anspruch auf Grundversorgung, wenn sie in den ihnen zugeteilten Quartieren beziehungsweise Bundesländern leben. Generell werden die Kosten für AsylwerberInnen zwischen Bund und Ländern im Verhältnis 60:40 aufgeteilt. Dauert das Asylverfahren länger als 12 Monate, muss der Bund die kompletten Kosten tragen. Wie viel Grundversorgung Asylsuchende erhalten, hängt davon ab, wie sie untergebracht sind, es wird unterschieden zwischen organisierten und privaten Flüchtlingsunterkünften.

Organisierte Unterkunft

19,00 Euro pro Person und Tag für Unterbringung und Verpflegung
Das Geld geht direkt an die organisierte Unterbringungseinrichtung, außer es handelt sich um ein Selbstversorgungsquartier, dann erhalten AsylwerberInnen zwischen 3,50 und 6,50 Euro (je nach Bundesland) pro Person und Tag für ihre Verpflegung ausbezahlt.

40,00 Euro pro Person und pro Monat Taschengeld für persönliche Ausgaben
Damit werden Fahrkosten, Kommunikationsmittel, Freizeit-, Kultur- und Bildungsangebote und vieles mehr bezahlt.

Private Unterkunft

maximal 320,00 Euro pro Person und Monat für Unterbringung, Verpflegung, Strom, Essen... Einzelpersonen erhalten für Miete und Betriebskosten 120,00 Euro im Monat, Familien erhalten einen maximalen Zuschuss von 240,00 Euro pro Monat. Das Verpflegungsgeld für Erwachsene beträgt 200,00  Euro pro Monat und für Kinder und Jugendliche 90,00 Euro pro Monat. Es muss nachgewiesen werden, dass Miete bezahlt wird.

Unabhängig von der Art der Unterbringung erhalten AsylwerberInnen Gutscheine für Bekleidung (zirka 150,00 Euro pro Jahr) und Schulmaterialien für Kinder (200,00 Euro pro Jahr).

Rechenbeispiel für eine fünfköpfige Familie in privater Unterkunft:

240,00 Euro Miete und Betriebskosten für gesamte Familien
2x 200,00 Euro Verpflegungsgeld für Erwachsene
3 x 90,00 Euro Verpflegungsgeld minderjährige Kinder und Jugendliche
= 910,00 Euro für eine fünfköpfige Familie im Monat

Werden Asylsuchende als Flüchtlinge anerkannt, ändert sich die gesetzliche Lage. Asylberechtigte erhalten ebenso Mindestsicherung und Familienbeihilfe wie ÖsterreicherInnen. Anerkannte Flüchtlinge haben Zugang zum Arbeitsmarkt. 

Sie nehmen uns die Arbeitsplätze weg!

Viele AsylwerberInnen würden gerne während ihres Asylverfahrens arbeiten, um für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen und ihre Angehörigen versorgen zu können. In der Zeit der behördlichen Prüfung sind AsylwerberInnen oft zum Nichtstun verurteilt. Asylsuchende haben nur einen begrenzen Zugang zum Arbeitsmarkt, sie sind praktisch vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen.

Für junge Asylsuchende bis 25 Jahre wurde der Zugang zum Arbeitsmarkt gelockert: Sie dürfen eine Lehre beginnen, allerdings nur in jenen Branchen, in denen es einen Lehrlingsmangel gibt.

AsylwerberInnen dürfen gemeinnütziger Arbeit nachgehen, da hierfür keine Arbeitsbewilligung benötigt wird. Darunter fallen Jobs wie Grünflächenpflege, Schneeräumen oder das Reinigen von Flüchtlingsquartieren. Diese Arbeit wird mit einem Anerkennungsbeitrag von wenigen Euro pro Stunde abgegolten. Privatpersonen dürfen Asylsuchende nicht für gemeinnützige Arbeit engagieren.

Drei Monate nach der Zulassung zum Asylverfahren erhalten AsylwerberInnen einen eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt. Sie können dann befristet einer Saisonbeschäftigung im Tourismus oder in der Land- und Forstwirtschaft nachgehen.

AsylwerberInnen dürfen 110,00 Euro im Monat dazuverdienen, verdienen sie mehr, verlieren sie ihren Anspruch auf Grundversorgung und Krankenversicherung.

Uneingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten AsylwerberInnen erst wenn ihr Asylverfahren positiv abgeschlossen wurde. Die Verfahren können wenige Monate, bis hin zu einigen Jahren dauern. 

Es kommen nur Männer zu uns. Die lassen ihre Frauen und Kinder in ihrer Heimat im Stich!
Ja es stimmt, Männer sind unter den Antragstellern in der Überzahl. Nur jede fünfte Person, die in der ersten Jahreshälfte 2015 einen Asylantrag in Österreich stellte, war weiblich. Der überwiegende Anteil der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sind Burschen.


Eine Flucht ist gefährlich und strapaziös, außerdem ist sie kostenintensiv. Die Schlepperpreise sind extrem hoch, daher können sich Familien oft nur leisten, ein Familienmitglied außer Landes zu bringen. Meistens werden junge, starke Männer von der Familie ausgewählt. Für junge Mädchen und Frauen ist die Gefahr größer Opfer von sexueller Gewalt zu werden. Die Hoffnung ist, dass der Flüchtlingsstatus anerkannt wird und es zu einer Familienzusammenführung kommen kann.

Unter Familienzusammenführung ist das Nachholen von EhepartnerInnen, minderjährigen Kindern oder Eltern von minderjährigen Geflüchteten gemeint. Die Praxis hat gezeigt, dass nur ein sehr geringer Anteil der unbegleiteten Minderjährigen, ihre Eltern nachholen konnten.