Flüchtlingskinder am Lernen teilhaben lassen

Donnerstag, 29. September 2016
junge Frau schreibt an der Schultafel
Diakonie fordert umfassenden Zugang zu Bildung und Ausbildung für alle jungen Erwachsenen

Diakonie fordert umfassenden Zugang zu Bildung und Ausbildungsmöglichkeiten für alle jungen Erwachsenen

„Das Österreichische Schulsystem ist auf „normale“ Lebensläufe ausgerichtet, und verschließt seine Tore vor jenen jungen Menschen, die Jahre ihres Lebens auf der Flucht verloren haben“, kritisiert Diakonie Direktor Michael Chalupka anlässlich des langen Tages der Flucht.

Jugendliche Flüchtlinge, die kurz vor dem Erwachsenwerden nach Österreich gekommen sind, und sich oft nach Jahren der Flucht endlich wieder einen regelmäßigen Schulbesuch erhoffen, prallen hierzulande oft an der Feuermauer „schulpflichtiges Alter“ ab.

Möglichkeiten für SpäteinsteigerInnen schaffen

Nicht mehr „schulpflichtig“- und das heißt einfach nur über 16 Jahre alt - zu sein, bedeutet für sie, oft keinen Zugang mehr zum Regelschulsystem finden zu können. Und das zumeist auch nach längerer Zeit im Land, und auch nachdem sie die Landessprache erlernt haben. Wer jedoch keinen Pflichtschulabschluss nachweisen kann, ist sowohl vom Besuch einer höherbildenden schule, als auch von einer Lehrausbildung ausgeschlossen.

Punktuell gute Initiativen bundesweit umsetzen

Mit einigen Modellprojekten wie „StartWien“ - dem Jugendcollege der Stadt Wien, oder Diakonie Projekten wie „Qualify for Hope“ oder dem „BACH Bildungszentrum“ wurden punktuell sinnvolle Möglichkeiten geschaffen, die jungen Flüchtlingen Chancen auf Bildung und Ausbildung ermöglichen.

„Wichtig wäre es aber, diese Modelle nicht nur in einzelnen Bundesländern, sondern österreichweit umzusetzen. Nur so können die Potenziale der jungen Menschen ausgeschöpft werden“, so der Diakonie Direktor. „Die bisher vorhandenen Pflichtschulabschlusskurse sind viel zu dünn gesät, und will man nicht eine verlorene Generation an jungen Erwachsenen, so müssen hier viel mehr Angebote geschaffen werden“.

„Anstatt die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dabei zu unterstützen, die verlorene oder wegen fehlender Zeugnisse nicht anerkannte Schulbildung nachzuholen, gesteht man ihnen bestenfalls zu, Deutsch zu lernen“, kritisiert Chalupka. „Das führt in der Folge dazu, dass immer mehr Zeit vergeht, und sie den Zugang zu einer adäquaten Berufsausbildung dadurch aus den Augen verlieren, da das Alter eine große Hürde im Bildungs- und Ausbildungssystem in Österreich darstellt“.

Integration ermöglichen

Und warum passiert das? – „Junge Flüchtlinge werden auch in Zukunft in Österreich von der „Ausbildungspflicht“ ausgenommen sein und haben weiterhin aufgrund des restriktiven Ausländerbeschäftigungsgesetzes nur sehr eingeschränkten Zugang zu Lehrausbildungen.

„Diese Hürden müssen umgehend beseitigt werden. Die Zukunft der Flüchtlingskinder in einem Gesetz, das 2016 beschlossen wurde und erst in einem Jahr in Kraft treten wird, ist ein schweres Versäumnis“, kritisiert Diakonie Direktor Chalupka.

Deshalb fordert die Diakonie: die Ausbildungspflicht für Flüchtlingskinder zu öffnen, und das Zugangsalter bis 25 Jahre zu erhöhen, denn „Ziel muss sein, allen Jugendlichen die Chance auf eine Ausbildung zu ermöglichen“, so Chalupka abschließend.