Flüchtlingsarbeit in Zeiten der Corona-Krise

Dienstag, 7. April 2020
Mitte März 2020 wurde der Alltag in unseren Einrichtungen von einem Tag auf den anderen auf den Kopf gestellt. Alexandra Gröller, Geschäftsführerin des Diakonie Flüchtlingsdienstes gibt Einblick, wie KollegInnen und KlientInnen die Herausforderungen meistern.

Solidarisch, professionell und einfallsreich – Umstellungen und neue Angebote in kürzester Zeit

Unsere Arbeit lebt vom direkten und vertrauensvollen Kontakt mit unseren Klientinnen und Klienten. Ob in der Beratung, in der Unterbringung, in Deutsch- und Basisbildungskursen oder in der Lern- und Freizeitbegleitung – die Rahmenbedingungen haben sich durch COVID-19 drastisch geändert.

In allen Sozial-, Rechts und Integrationsberatungseinrichtungen wurde eine telefonische bzw. elektronische Beratung eingerichtet. In akuten Notfällen wie Existenzsicherung oder (drohende) Obdachlosigkeit, bieten wir Beratungstermine unter Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen in unseren Einrichtungen an.

In unseren Unterbringungseinrichtungen bieten wir so viele Tagesstrukturangebote wie möglich bei gleichzeitig größtmöglichem Schutz unserer BewohnerInnen.

Bei unseren Kurs- und Schulungsangeboten haben wir rasch auf E-Learning umgestellt und bleiben mit unseren KlientInnen telefonisch und via Social-Media in Kontakt.

Unterbringung und Betreuung

In den betreuten Wohnungen und Wohngemeinschaften von  LARES Wien, LARES Burgenland und ZIARA wurde weitestgehend auf telefonische Betreuung und Beratung umgestellt. In größeren Abständen werden die Wohnungen und Wohngemeinschaften unter Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen besucht. In Notfällen kann nach vorheriger Vereinbarung eine Terminberatung stattfinden.

Für die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Flüchtlingshäuser und unserer Intensivbetreuungs-WG (Haus Rossauer Lände, Haus Neu Albern und WG MINA) bieten wir mit erweiterten Teams zusätzliche Tagestrukturangebote an. So kann den massiven Änderungen und Einschränkungen des Alltags etwas entgegensetzt werden. In den Flüchtlingshäusern stehen einige abgesonderte Heimquarantäneplätze für Bewohner und Bewohnerinnen zur Verfügung, die als Verdachtsfälle gelten oder einen symptomfreien bis leichten Verlauf der Krankheit haben.

Viele Anfragen verunsicherter KlientInnen und ihre UnterstützerInnen erreichen unsere KollegInnen in der Rechtsberatung
Viele Anfragen verunsicherter KlientInnen und ihrer UnterstützerInnen erreichen unsere KollegInnen in der Rechtsberatung

Rechts- und Sozialberatung

Obwohl die Behörden und die Gerichte ihre Arbeit weitgehend eingestellt haben, wird das telefonische Beratungsangebot der Rechtsberatung aktuell massiv genutzt. Eine Vielzahl von Anfragen verunsicherter KlientInnen und ihrer UnterstützerInnen werden von den RechtsberaterInnen trotz Kurzarbeit zur Zeit bearbeitet.

In den Sozialberatungsstellen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland wurde auch weitgehend auf Telefonberatung umgestellt. Nur in, durch die Betriebsstättenverordnung gedeckten, Notfällen, findet nach Vereinbarung Beratung vor Ort in den Wiener Sozialberatungsstellen, bzw. in Notfällen Beratung direkt in den Quartieren in Niederösterreich und dem Burgenland statt. Die Klientinnen und Klienten haben sich gut auf die Telefonberatung eingestellt.
Umstellung auf E-Learning und Betreuung der KlientInnen via Social-Media
Arbeitsmaterialien, die die KlientInnen zuhause nutzen können, werden einrichtungsübergreifend entwickelt und laufend adaptiert

Integration & Bildung

Im Bereich Integrationsstarthilfe wird die neu eingerichtete Telefon- und Social-Media-Beratung von den KlientInnen sehr gut genutzt. Aber auch hier stehen die BeraterInnen den KlientInnen in Notfällen nach Vereinbarung auch für Beratungsgespräche vor Ort in den Einrichtungen zur Verfügung. Auf alle Workshops, Gruppen- und Gemeinwesenangebote muss aktuell leider vorübergehend verzichtet werden.

In den Bildungseinrichtungen haben wir zügig auf E-Learning umgestellt. Die TeilnehmerInnen werden telefonisch kontaktiert, erhalten die Arbeitspakete digital und können an virtuellen Schulungsmaßnahmen teilnehmen. Die virtuellen Angebote und Materialien werden von den KollegInnen einrichtungsübergreifend entwickelt und laufend adaptiert.

Für viele KlientInnen ist die Teilnahme an den virtuellen Lernformaten jedoch nicht möglich, weil sie nicht über die technischen Möglichkeiten verfügen. Die Kolleginnen arbeiten gerade an Unterstützungsmöglichkeiten.

Alexandra Gröller, Geschäftsführerin Diakonie Flüchtlingsdienst, über die Umstellung auf E-Learning
AmberMed - aktuell keine ambulante Behandlungen, dafür Telefonambulanz und Medikamentenversorung
Auch wenn aktuell keine ambulanten Behandlungen stattfinden können, die telefonische Beratung von AmberMed-PatientInnen und ihre Medikamentenversorgung ist gesichert

Gesundheit

In unseren Psychotherapiezentren JEFIRA und Ankyra werden aktuell zwar keine face-to-face Psychotherapien und Erstgespräche durchgeführt. In vielen Fällen gelingt es aber, die Einzeltherapien per Telefon- oder Videokonferenzen durchzuführen und in Entlastungsgesprächen ein wenig Stabilität in diesen verunsichernden Zeiten zu vermitteln.

AmberMed bietet zu den Ordinationszeiten telefonische medizinische Beratung. Das Angebot steht PatientInnen zur Verfügung, die bereits bei AmberMed in Behandlung sind. Die ÄrztInnen von AmberMed übermitteln Rezepte elektronisch an die Medikamentenhilfe. So ist die Versorgung der PatientInnen mit dringend benötigten Medikamenten sichergestellt.