JEFIRA - Interkulturelles Psychotherapiezentrum Niederösterreich

Herzogenburgerstraße 9
3100
St.Pölten
Telefon: 
+43 (0)2742 / 73176
  • Interkulturelle Psychotherapie beim Diakonie Flüchtlingsdienst ©Nadja Meister/Diakonie Flüchtlingsdienst
    Interkulturelle Psychotherapie bei JEFIRA in Niederösterreich ©Nadja Meister/Diakonie Flüchtlingsdienst
Interkulturelle Psychotherapie bei JEFIRA in Niederösterreich

Wir passen aufeinander auf!

Nach dem zweiten Lock Down finden bei JEFIRA Psychotherapien und Erstgespräche vorrangig telefonisch oder mittels Videoübertragung statt. Wenn notwendig werden Psychotherapien aber auch face to face - unter Einhaltung der vorgeschriebenen Sicherheitbestimmungen - angeboten.

Die telefonische Erreichbarkeit während der Öffnungszeiten ist durchgehend gegeben.

(Stand 07.12.2020)

JEFIRA bietet traumaspezifische, kultursensible und dolmetschunterstützte Psychotherapie sowie psychiatrische Beratung für Asylwerberinnen und -werber, für anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte, die in Niederösterreich wohnen. Wir unterstützen Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder und versuchen gemeinsam einen Weg in eine neue Zukunft zu finden. Respekt vor dem Individuum und der persönlichen Geschichte sind uns ein besonders großes Anliegen.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind fachlich qualifiziert und verfügen über Zusatzausbildungen im Bereich der Traumaarbeit. Die Therapien werden von speziell geschulten Dolmetscherinnen und Dolmetschern vor allem in Russisch, Dari, Farsi, Arabisch, Englisch und Französisch unterstützt. Pro Woche werden bei JEFIRA rund 80 Asylwerberinnen und -werber sowie Flüchtlinge aus allen Teilen Niederösterreichs betreut.

Das Beratungsangebot

  • Erstabklärungsgespräche
  • Psychotherapie (Langzeittherapie und Kurzzeittherapie)
  • Gruppenpsychotherapie
  • psychiatrische Beratung 
JEFIRA ist Teil des österreichweiten Netzwerkes für Interkulturelle Psychotherapie nach Extremtraumatisierung (NIPE) und Mitglied des Dachverbands für transkulturelle Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im deutschsprachigen Raum (DTPPP).

Stimmen für Jefira!

Die finanzielle Unterstützung von Jefira ist vom zuständigen Landesrat Waldhäusl gestrichen worden. Zahlreiche GesundheitsexpertInnen und MedizinerInnen melden sich jetzt besorgt zu Wort:

 „Trauma endet nicht mit dem Ende des Kriegs, die Probleme können chronisch und durch erneute schlechte Erlebnisse verstärkt werden. Wenn wir nicht therapeutisch helfen, dann kann es für die Betroffenen zu schweren Depressionen kommen“. Dr. Hadya Nassan-Agha-Schroll, Oberärztin am Krankenhaus Tulln sowie Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapeutin
„Ich habe viele PatientInnen zu Jefira überwiesen, weil es sonst in Niederösterreich keine vergleichbar spezialisierte Einrichtung gibt. Jefira ist ein einzigartiges Gesundheitszentrum für Diagnostik und Therapie bei posttraumatischen Belastungsstörungen. Wir müssen akute Traumatisierungen rasch behandeln, so wie wir bei einem Tumor auch nicht warten bis er immer größer wird, sondern rechtzeitig mit der Therapie beginnen“.  Dr. Karin Tschare, Allgemeinmedizinerin in Purkersdorf
„Das Ende der Psychotherapie für traumatisierte Flüchtlinge ist grundfalsch. Viele Flüchtlinge brauchen dringend Psychotherapie um ihre traumatischen Erfahrungen aufzuarbeiten. Nur so können sie sich in unsere Gesellschaft integrieren“. Maria Werni, Vorsitzende des niederösterreichischen Landesverbands für Psychotherapie
„Therapie von Traumatisierten ist ein wesentlicher Baustein für die Vermeidung von unnötigen Untersuchungen in dieser Patientengruppe und ist erster Baustein für die Integration in die Gesellschaft“. Univ.Prof Dr. Siroos Mirzaei, Primar am Wiener Wilhelminenspital
„Geflüchtete Menschen leiden unter massiven Traumafolgestörungen, insbesondere unter den sehr belastenden Erinnerungen, häufig begleitet von körperlich ausgedrückten Symptomen wie z.B. massiven Ein- und Durchschlafstörungen oder Konzentrationsstörungen. Studienergebnisse zeigen, dass in der Gruppe der unbehandelten Menschen zwischen 10- und 40 % unter diesen klinisch bedeutsamen Symptomen leiden. Bei Menschen, die in psychotherapeutischer Behandlung sind, ist der Anteil der von den Traumafolgestörungen betroffenen noch wesentlich höher, was deren Behandlungsbedarf unterstreicht. Psychotherapie ist das Mittel der Wahl, um dieses Leid zu lindern, dafür gibt es eindeutige wissenschaftliche Belege. Es ist aus wissenschaftlicher Sicht absolut erforderlich, dolmetsch-unterstützte Psychotherapie zur Verfügung zu stellen, denn nur in der eigenen Sprache kann man den komplexen traumatischen Vorgängen, die die Betroffenen erlitten haben, gerecht werden. Erst die Verarbeitung des Traumas und die Symptomreduktion ermöglichen es geflüchteten Menschen, im Zielland aktiv am Alltag teilzunehmen, da die Beschwerden dem Spracherwerb, der Arbeitssuche und der sozialen Integration im Weg stehen“. Univ. Prof. Dr. Brigitte Lueger-Schuster, Leitung der Arbeitsgruppe Psychotraumatologie an der Universität Wien
„Damit sich Menschen in einer ‚Neuen Heimat‘ gut integrieren können, müssen die oftmals schweren psychischen Verletzungen (Krieg-Szenen bis hin zu Folter und Todesnähe) aus den Ländern von denen sie kommen und die meist der Grund für die Flucht waren, ebenso wie zahlreiche Schrecken der Flucht, heilen. Dazu sind in dieser komplexen Thematik erfahrene Psychotherapeut*innen und Übersetzer*innen notwendig. Erst wenn diese Spätfolgen von Gewalt und Verfolgung geheilt sind, kann der Blick dieser Menschen wieder nach Vorne gehen, können Sprache, Beruf und Kultur erlernt/erworben werden. So gelingt es dann neue Existenzen zu gründen, von Hilfe unabhängig zu werden und aktive Beiträge zum Sozial- und Gesellschaftsleben, wie Arbeit und gemeinschaftliche Beiträge zu leisten. Daher ist ein sparen an den notwendigen Hilfen unmenschlich und kontraproduktiv. Es wäre sinnvoll JEFIRA weiter auszubauen, eine Investition die sich auf vielen Ebenen rechnet.“  Dr. Peter Stippl, Präsident des Österreichischen Bundesverbandes für Psychotherapie
„Psychotherapie für Menschen, die Folter- und Krieg überlebt haben, ist ein wichtiger und unverzichtbarer Baustein eines humanen Gesundheitswesen. Österreich hat die Antifolter-Konvention ratifiziert und damit ein klares Bekenntnis zur vollen Rehabilitation von gefolterten Menschen abgelegt. Daher braucht Niederösterreich natürlich auch weiterhin - wie in allen Bundesländern: Angebote der medizinischen, sozialen und psychologisch/psychotherapeutischen Rehabilitation. Zusätzlich wissen wir, dass Psychotherapie von schwer traumatisierten Menschen Folgekosten für das medizinische System verhindert: weniger Krankenhausaufenthalte, lange Krankenstände wegen chronischer Erkrankung etc. können vermieden werden“. Barbara Preitler, Pionierin der Psychotraumatologie in Österreich und Universitätslektorin an der Universität Klagenfurt

JEFIRA: Traumatisierte Kinder werden von Politik fallen gelassen!

Im Jänner 2021, inmitten des dritten Lockdowns, hat der niederösterreichische Landesrat entschieden, seelisch schwer belasteten Kindern die Psychotherapie zu streichen. Die so wertvolle Arbeit von JEFIRA für diese Kinder ist jetzt massiv bedroht.


Dieses Projekt wird durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF), das Bundesministerium für Inneres, das Land Niederösterreich und die Kahane Foundation gefördert.

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