Diakonie: 100.000 Menschen in Österreich haben keine Krankenversicherung

Mittwoch, 2. April 2014
Arzt untersucht ein Mädchen
rund 30 ehrenamtliche Ärzte und viele andere HelferInnen bilden das Team von AmberMed
AmberMed ermöglicht seit 10 Jahren medizinische Versorgung für Menschen ohne Versicherungsschutz

Laut Schätzungen leben in Österreich ca. 100.000 Menschen ohne Krankenversicherung. Das heißt, ihr Zugang zu Krankenversorgung ist von staatlicher Seite nicht gewährleistet.

Die Einrichtung AmberMed, ein Gemeinschaftsprojekt des Diakonie Flüchtlingsdienst und des Österreichischen Roten Kreuzes, bietet seit 10 Jahren medizinische Versorgung und soziale Beratung für Menschen ohne Krankenversicherung in Wien. Waren es im ersten Arbeitsjahr 2004 370 Menschen, die Behandlung in Anspruch nahmen, so waren es 5 Jahre später 2009 bereits 832 PatientInnen. Im vergangenen Jahr 2013 behandelten ÄrztInnen bei AmberMed rund 1800 Frauen, Männer und Kinder.

„Wahrscheinlich wissen nur wenige in Österreich, dass es in unserem gut funktionierenden Sozialstaat eine so große Zahl von Menschen ohne Versicherungsschutz gibt“, so Werner Kerschbaum, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. „Seit zehn Jahren leistet AmberMed unverzichtbare Arbeit für Menschen ohne Krankenversicherung, bietet medizinische Hilfe und versorgt die Patienten mit Medikamenten.“

„Die medizinische Versorgung könnte ohne die ausschließlich ehrenamtliche Arbeit von zahlreichen ÄrztInnen nicht geleistet werden“, verdeutlicht Carina Spak, Leiterin der Ambulanz. In den vergangenen 10 Jahren boten 222 AllgemeinmedizinerInnen und FachärztInnen gratis Behandlung an. Der Leitgedanke der Hilfestellung für alle PatientInnen jenseits von politischen und ökonomischen Grenzen trägt AmberMed seit 2004. AmberMed arbeitet mit DolmetscherInnen, die ebenso wie die ÄrztInnen ihre Leistungen unentgeltlich zur Verfügung stellen.

„Nicht selten erkranken die PatientInnen von AmberMed an ihren schlechten Lebensbedingungen in Österreich. Armut, unzumutbare Wohnsituationen, mangelnde Perspektive und soziale Ausgrenzung machen sie krank“, betont Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich. „Betroffene Menschen versuchen oft, sich unsichtbar zu machen. Sie kommen oft erst, wenn sie schwer krank sind“, so Chalupka.

Den Menschen, die nicht versichert sind, ist gemeinsam, dass sie geringes Einkommen haben. Zwei Drittel befanden sich zum ersten Mal in dieser Situation, immerhin ein Drittel war schon öfters davon betroffen. Für viele ist der mangelnde Krankenversicherungsschutz kurzzeitlich, für manche dauerhaft. „Es ist ein Mix aus strukturellen Lücken, sozialen Benachteiligungen, fehlenden persönlichen Ressourcen und mangelnder Information“, zeigt die Diakonie die Fakten auf. Davon betroffen sind Menschen in prekärer Beschäftigung, Personen in schweren psychischen Krisen, Arbeitssuchende ohne Leistungsanspruch, Flüchtlinge und MigrantInnen, ehemalige Selbständige und Hilfesuchende, die ihren Sozialhilfeanspruch aus Scham nicht einlösen.

AmberMed braucht weiterhin ehrenamtliche MitarbeiterInnen und – wie in den ersten 10 Jahren – finanzielle Unterstützung durch Spenden.