Diakonie und Rotes Kreuz: Menschen ohne Krankenversicherung brauchen rasch und unbürokratisch ärztliche Hilfe

Mittwoch, 6. Februar 2019
Medizinisches Beratungsgespräch im Gesundheitsbereich © Regina Hügli/Diakonie Flüchtlingsdienst
Medizinisches Beratungsgespräch im Gesundheitsbereich © Regina Hügli/Diakonie Flüchtlingsdienst
Tausende Menschen ohne Krankenversicherung. Auch immer mehr ÖsterreicherInnen ohne Krankenversicherung, beobachtet AmberMed
Medizinisches Beratungsgespräch im Gesundheitsbereich © Regina Hügli/Diakonie Flüchtlingsdienst

Anlässlich des Internationalen Tages der Kranken am 11. Februar weist Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser auf die Situation von Menschen ohne Krankenversicherung hin: "Es kommt immer wieder vor, dass Menschen erst in dem Moment, in dem sie medizinische Hilfe brauchen, feststellen müssen, dass sie nicht versichert sind. Sie können nicht warten, bis versicherungstechnische Fragen geklärt sind, sie müssen sofort und kostenlos behandelt werden. Die ehrenamtlichen Ärztinnen und Ärzte von AmberMed helfen rasch und unbürokratisch."

Der 52-jährige EU-Bürger Janos zum Beispiel: Er arbeitet bei einer österreichischen Firma. Als Janos seine starken Rückenschmerzen behandeln lassen will, stellt sich heraus, dass er nicht krankenversichert ist. Die allgemeinmedizinische Beratung und orthopädische Betreuung bei AmberMed, einer ambulanten medizinischen Einrichtung von Diakonie und Rotem Kreuz, die unversicherte Menschen ärztlich versorgt, helfen Janos, schmerzfrei zu werden. Die SozialarbeiterInnen von AmberMed unterstützen ihn, einen Versicherungsschutz zu erlangen. Der Fall ist mittlerweile gerichtsanhängig.

„Das ist nur ein Beispiel dafür, wie wir solche bedauerlichen Lücken schließen und Menschen helfen, Zugang zu einer gesundheitlichen Versorgung zu haben“, sagt Rotkreuz-Generalsekretär Werner Kerschbaum. „Denn medizinisch versorgt zu werden ist ein Menschenrecht. Und das wollen wir als humanitäre Organisation sicherstellen.“

Tausende Menschen ohne Krankenversicherung

Tausende Menschen in Österreich sind einer Studie zufolge nicht krankenversichert. Es handelt sich dabei vor allem um Menschen in prekärer Beschäftigung, Personen in schweren psychischen Krisen, Arbeitssuchende ohne Leistungsanspruch oder vormals mit ihrem Ehepartner Mitversicherte nach der Scheidung. Hinzu kommen Menschen aus Ländern der Europäischen Union, die in Österreich nicht erwerbstätig sind und auch über keine Sozialleistungsansprüche verfügen, sowie Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus.

2018 wurden bei AmberMed 3.186 unversicherte Menschen kostenlos medizinisch versorgt. Einen deutlichen Anstieg gab es bei den österreichischen PatientInnen. Ihre Zahl hat sich bei AmberMed im Vorjahr fast verdoppelt: Waren 2017 122 österreichische StaatsbürgerInnen auf die medizinische Versorgung bei AmberMed angewiesen, stieg die Anzahl 2018 auf 231 Personen. Damit sind erstmal über 5% der PatientInnen bei AmberMed ÖsterreicherInnen (insgesamt 6,5%).

ÄrztInnen behandeln unentgeltlich

„Ohne das umfangreiche und notwendige Netzwerk an freiwilligen ÄrztInnen, AssistentInnen und DolmetscherInnen könnte die Zahl der PatientInnen nicht bewältigt werden“, betont Carina Spak, Leiterin der Einrichtung.

89 ehrenamtliche MitarbeiterInnen leisteten im Jahr 2018 kostenlos insgesamt 5.266 Arbeitsstunden. 3.186 PatientInnen erhielten 8.057 Behandlungen sowie 1500 Sozialberatungen. „Wichtig ist uns, dass wir in den Sozialberatungen das Gesundheitsbewusstsein unserer Patienten und Patientinnen fördern können und dass wir in vielen Fällen auch eine Re-Integration ins Sozial- und Gesundheitssystem erreichen können“, betont Spak.